Eisbären in der Antarktis?

Warum gibt es eigentlich keine Eisbären in der Antarktis – dem spektakulären Kontinent aus Schnee und Eis?

Die Antarktis bietet ein Zuhause für eine Vielzahl faszinierender Kreaturen, aber Eisbären gehören NICHT dazu. Das mag überraschen, bieten das kalte Klima und die Fülle an Eis doch theoretisch den idealen Lebensraum für die ausdauernden Raubtiere.

Das Königreich des Eisbären befindet sich allerdings am anderen Ende der Welt: in den polaren Regionen rund um den Nordpol. Hier sorgen die eisigen Küsten und das Meereis für ideale Jagdgebiete für sein Fortbestehen. Wissenschaftler glauben, dass die Eisbären eng mit den Braunbären verwandt sind und im Laufe von hunderttausenden von Jahren an die Arktischen Lebensräume angepasst haben. Je mehr sich aber das Meereis aufgrund des Klimawandels heute zurückzieht, umso kleiner und unsicherer wird aber der Lebensraum der Eisbären. Dieser gilt daher heute als bedrohte Tierart.

Immer mal wieder werden die Expeditionsteams auf unseren Arktis-Reisen gefragt:

Wie kann der Eisbär gerettet werden? Könnte man ihn nicht einfach in der Antarktis ansiedeln, um sein Fortbestehen zu sichern?

Der Vorschlag ist zwar gut gemeint, allerdings stellt sich die Frage:

Könnten Eisbären in der Antarktis überhaupt überleben?

Ganz hypotetisch: Stellen Sie sich vor, jemand schmuggelt eine Handvoll Eisbären auf einem Schiff in die Antarktis und lässt diese dort frei. Wie würde das wohl ausgehen?

Eis ist nicht gleich Eis. Auf den ersten Blick erscheint die Antarktis fast gleich wie die Arktis – mit viel Eis und Schnee und einem Pol in der Mitte. Die topographischen Unterschiede haben jedoch an beiden Enden der Welt zwei ganz unterschiedliche Lebensräume geschaffen. In der Antarktis würde das Fressen dem Eisbären quasi zu Füssen liegen.

Stellen Sie sich vor, einer dieser Eisbären trifft nun auf eine Pinguinkolonie! Pinguine können an Land mit ihrer tollpatschigen Fortbewegungsweise nur überleben, weil sie dort nicht gejagt werden. Nur im Wasser droht den geschickten Schwimmern Gefahr durch Wale und Seeleoparden. Der Eisbär würde wohl mit den neugierigen Pinguinen kurzen Prozess machen und ein ganz schönes Chaos hinterlassen. Neben den Pinguinen wären auch die Robben eine ganz leichte Beute.

 

Eine Kolonie von Kaiserpinguinen… oder ein Eisbärenbuffet?

 

Zu leicht! Es ist anzunehmen, dass eine Eisbärenpopulation in der Antarktis aufblühen würde, aber die Freude wäre wohl nicht von langer Dauer.

Die Eisbären würden das geordnete Ökosystem der Antarktis komplett aus dem Gleichgewicht bringen, mit verhängnisvollen Auswirkungen: In nur wenigen Jahren würde der Bestand der Robben und Pinguine durch die Schlemmerei der Eisbären stark zurückgehen. Ausserdem könnten sich die Pinguine nicht mehr an den gewohnten Brutstellen ungestört fortpflanzen. So würde es nicht überraschen, wenn diese dann in jenen Regionen der Antarktis in kurzer Zeit aussterben würden. Und ohne Fressen würde auch die Eisbärenpopulation in der Antarktis nicht lange bestehen.

Begleiten Sie uns auf einer unserer Expeditionsreisen zu den Pinguinkolonien der Antarktis. Hier erwarten Sie unvergessliche Begegnungen mit einigen der faszinierendsten Tieren der Welt. Keine Eisbären – versprochen!